Emotionale Bindung und Lust auf den Job

Freiheit und Verantwortung im Ausgleich

Nur 16 Prozent der Mitarbeiter sind bereit, sich freiwillig für die Ziele ihres Unternehmens einzusetzen. 67 Prozent leisten Dienst nach Vorschrift und 17 Prozent sind emotional ungebunden und haben innerlich bereits gekündigt. Das ist das erschütternde Ergebnis der neuesten Studie zur emotionalen Bindung der Arbeitnehmer an den Arbeitgeber, die das Gallup Institut einmal jährlich durchführt.

Dabei ließ sich nachweisen, dass sich die Produktivität von Mitarbeitern durch emotionale Bindung eindeutig verbessern lässt. Wie erreicht man diese? „Die Zeit“ hat in ihrer letzten Ausgabe einen schönen Vergleich mit den partnerschaftlichen Beziehungen gezogen. Daher bin ich der Angelegenheit in der einfachen Ausführung etwas auf den Grund gegangen.

Bindung
Erste Stufe einer menschlichen Beziehung: es gibt eine Bindung. Will heißen Partner zeigen sich, dass sie eine gemeinsame Verbindung haben und sich unterstützen. Das ist die tragende Basis, die Sicherheit zum durchatmen bietet. Jeder reicht freien Herzens dem anderen die Hand (auch nach Unstimmigkeiten) und bekundet die Verbindung und Nähe zum Anderen. Soweit kein Unterschied zur geschäftlichen Partnerschaft (Führungskraft zu Mitarbeiter beispielsweise) zu erkennen.

Autonomie
Die Freiheit zur Gestaltung, selbstbestimmtem Handeln, Unabhängigkeit und zur Entwicklung. Der scheinbar unauflösbare Gegensatz zur Bindung. Dennoch bedingt das eine das andere, wenn auch in einer sehr individuellen Ausprägung. (Das hängt jeweils von den frühkindlichen Bindungen ab.) In einer Paarbeziehung bedeutet das, dass jeder die Möglichkeit hat die Beziehung frei mitzugestalten, keinen Zwängen unterworfen ist und als Individuum selbstbestimmt bleibt. Beruflich gesehen gilt das Gleiche. Mehreren Forschungen zufolge sind Beschäftigte mit mehr Freiräumen produktiver, kreativer und effizienter als andere.

Rolle/ Wert
Darauf folgt die jeweilige Rolle, der Selbstwert, die Wertschätzung. Wird das, was ich tue wertgeschätzt? Finde ich das was ich tue befriedigend und für mich erfüllend? Passt diese Aufgabe zu meinen Werten? Ketzerisches Beispiel aus der Beziehung. Frau (gleiches Studium wie ihr Mann) gehört hinter den Herd und zu den Kindern. Mann kann nicht verstehen, warum sie so unausgelastet ist, sie hat doch schließlich den ganzen Tag nichts zu tun. Wie verhält sich die Aufgabe zu ihren Fähigkeiten, zu ihrem Selbstwert. Parallele zum Beruf. Ist der Umgang wertschätzend? Ist die Aufgabe und Rolle den Fähigkeiten des Mitarbeiters angemessen?

Lust und Feuer
Last but not least. Die Lust. Hier kommt vielleicht der wirkliche Unterschied zu Geschäftsbeziehungen, wobei das auch nicht immer garantiert ist. Spaß beiseite. Die Paarbeziehung meint primär Sexualität. Die Geschäftspartnerschaft meint Freude, Spaß, Flow, das Brennen für eine Sache, den Sinn morgens sprichwörtlich aus dem Bett zu springen. Mitarbeiter, die mit Freude und Hingabe arbeiten  sind nachweislich produktiver und arbeiten genauer.

Mein Fazit: Glück im Job lässt sich mit Macht, Geld und Kontrolle genauso wenig erkaufen, wie in Paarbeziehungen. Verbundenheit, Freiheit, Wertschätzung und Freude. Das sind die Punkte auf der Karte, nach denen der Kompass ausgerichtet werden sollte.

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