So treffen Sie Entscheidungen leichter

Entscheidungen fallen uns oft so schwer, weil wir das Gefühl haben es gäbe nur „entweder/oder“ und wir müssten uns somit im wahrsten Sinne des Wortes von etwas scheiden, also trennen. Bereits diese Aussicht macht den Lösungsradius sehr eng. Gerade im Coaching geht es daher oft um Prozesse zu Entscheidungsfindungen. „Soll ich diesen Karriereweg gehen oder…? Soll ich ins Ausland oder entscheide ich mich für ein Familienleben? Kann ich das mit meinem Partner oder…? Entweder mein Kind schafft diese Schule oder… Finde ich diesen Mitarbeiter oder muss ich das Projekt absagen?“… usw.

So können Sie sich künftig besser unterstützen:

Den Horizont für die Möglichkeiten zur Wahl öffnen
Statt „entweder/oder“ suchen Sie immer nach weiteren Alternativen und vielleicht sogar Verbindungsmöglichkeiten. Welche weiteren (noch so verrückten) Optionen gibt es? Wo kann man vielleicht sogar das eine mit dem anderen verbinden? Wo können Sie weitere Möglichkeiten recherchieren? Internet, Bücher, Kollegen, Familie, Freunde, Coaching etc. Ähnlich wie beim „Brainstorming“ gilt hier: Lassen Sie erst einmal alle Ideen und Wahlmöglichkeiten zu. Keine wird bereits beim aussprechen ausgeschlossen. Noch ist es zu früh für Entscheidung.

Realitäts-Check
Jetzt geht es darum zu prüfen: Was ist daran gut? Was passt weniger? Dabei können uns Sichtweisen von völlig Unbeteiligten Aussenstehenden helfen. In Projekteteams kann das aber auch eine gute Mischung aus ganz unterschiedlichen Typen sein. Wichtig ist, einen anderen Blick oder kritische Fragestellungen auf die Situation, das Projekt, die ausgedachten Lösungsansätze etc. zu bekommen. Warum? Weil uns an diesem Punkt oft die „Betriebsblindheit“ zum Verhängnis wird. Gerne entscheiden wir einfach so, wie wir immer in ähnlichen Situationen handeln. Das gilt nicht nur für Einzelpersonen, sondern für ganze Teams und Abteilungen, die immer wieder das gleiche Muster abspielen und damit immer ähnliche Entscheidungen treffen.

Distanzierte Betrachtung
Während meiner Ausbildung gebrauchte einer meiner Coaching Lehrer ein für mich sehr einprägsames Bild. „Stellen Sie sich auf einen Stuhl und sehen Sie sich die Situation von oben an“. Also mit etwas Abstand, den wir für gewöhnlich bei anderen immer mehr haben, als bei uns selbst. Also überlegen Sie sich, was Sie Ihrem besten Freund oder Kollegen für seine Entscheidung raten würden. Was wäre Ihnen wichtig? Was wäre für Sie richtig? Dabei kommen von ganz alleine besonders Ihre Werte zum tragen. Diese sorgen schlussendlich auch dafür, dass Sie eine Wahl treffen, mit der Sie wirklich zufrieden sind.

Probe den Worst Case
Last but not least: es wird ernst. Jede Entscheidung beinhaltet in der Wirklichkeit Konsequenzen und vielleicht auch Irrtümer oder man landet mal eine komplette Fehleinschätzung. Gut, wenn wir uns schon vorher darauf vorbereiten. Kennen Sie aus der Schule noch die Übungen zum Feueralarm? Ähnliche Probe: Arbeiten Sie das Szenario im wüstesten „Worst Case“ aus. Einmal das Schlimmste durchdacht, sind Sie erstens  im „Bauch“ besser vorbereitet und vor allem können Sie in Etappen immer wieder checken, ob alles noch richtig läuft.

Zudem besteht natürlich immer die Möglichkeit, dass die getroffene Wahl in der Situation tatsächlich nicht die richtige war oder ein Plan oder Projekt völlig daneben geht. Sehr viel besser geht es uns damit, wenn wir reflektiert gewählt haben statt in „Hau-Ruck“-Aktion. So können wir schneller umkehren und andere Wege suchen; mit der Erkenntnis wenigstens etwas Neues gelernt zu haben. Nicht von ungefähr, dass im Irrtum schon die besten Erfindungen entstanden sind.

In jedem Falle ist eine getroffene Entscheidung befriedigender und erfahrungsreicher als gar keine. Nach einem Zitat eines unbekannten Autors: „Der schlimmste Weg den man wählen kann, ist der, keinen zu wählen.“

Coaching Unterstützung zur Entscheidungsfindung – hier unverbindlich Kontakt aufnehmen. Übrigens: auch möglich via Skype.

(Literaturnachweis: Andreas Huber und Axel Wolf, Gute Entscheidungen treffen, Psychologie Heute 09/14; Chip und Dan Heath, Decisive, Random House 2014)

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