Produktive Herzensangelegenheit als Job

Wie wertvoll eine Aufgabe ist, die uns erleben lässt, wie wir unseren Anlagen und Talenten wirklich Ausdruck verleihen, daran wird im Allgemeinen nicht gezweifelt. In der unternehmerischen Praxis wird diese wertvolle Erkenntnis allerdings noch viel zu oft als reines Seelen- und Wellnessbalsam des Einzelnen, denn als produktiver Input für das Unternehmensergebnis gesehen. Glücklicherweise mehren sich die Vertreter mit der festen Überzeugung, dass die Freiheit die inneren Kräfte und Werte im Job einsetzen zu können für alle Beteiligten einen außergewöhnlichen Gewinn bedeutet. Denn tätige Aktivität ist nicht gleich produktiver Aktivität. Was ich damit meine?

Hierzu eine private Geschichte, die mir selbst wieder gezeigt hat, wie erfüllend und so unendlich viel produktiver ein Projekt ist, das sich mit unserem innersten Herzen verbindet. Kürzlich steckte ich in Verhandlungsgesprächen zu zwei verschiedenen Marketing-Projekten:

Projekt 1:
Ich soll mich kurzfristig in eine Marketingform einarbeiten, die mir bekannt ist, die ich aber in der Praxis (noch) nicht ganz durchdrungen habe. Daraus gilt es für ein vorgegebenes Ziel etwas Konzeptionelles hervorzubringen. Ich mache mich also ans Werk. Es sind nur wenige Tage zeit. Erster Impuls als ich mich mit dem Thema auseinandersetze: Weglegen. Zweiter Impuls: „Puh, die ganze Arbeit am Rechner, ich habe furchtbare Nackenschmerzen – ab in die Sauna“. Kurzum, ich laufe erstmal weg. Der erste Stress- und Angstimpuls ist riesig. Schließlich setze ich mich doch einige Tage konzentriert und diszipliniert hin und bereite die Präsentation vor (bin ja schließlich Profi…). In einigen Teilen kann ich Neugierde an der Materie feststellen, der Großteil ist mir mühsam und erfordert höchste Disziplin, Kraft und Konzentration um zu verstehen und dann daraus auch noch „kreativ“ etwas zu entwickeln.
Zusammengefasst war ich durchaus sehr tätig und habe auch etwas entwickelt. Allerdings war die Aufgabe selbst nicht wahrhaftig mit meinem Herzen verbunden, sondern mehr mit meinem Ego. Zum Ego bekommt man keine echte Beziehung, weil es sich mehr um Dinge als um Erlebnisse bemüht. Die wirkliche Motivation das Projekt anzunehmen und „durchzuziehen“ war somit mehr mit dem Ziel des konkreten Termins verbunden (also der Sache und dem Status), als mit dem erfüllenden Gebären eines wirklich lebendigen Projekts. Ergebnis: mittelmäßig.

Projekt 2:
Ein unverbindliches Gespräch mit einem alten Bekannten und Geschäftspartner aus der Branche, den ich einige Jahre nicht mehr gesehen hatte. Einfach ein offener Austausch über das was ich mache und wie seine Aufgabe und die Entwicklung seines Unternehmens ist. Innerhalb von wenigen Minuten spinnen wir ein tolles Projekt, das etwas sehr Traditionelles mit einer für diesen Bereich mutigen Innovation verbindet. Zeitgleich entstehen auf die Schnelle weitere Anknüpfungspunkte für andere Bereiche. Bereits auf dem Heimweg und zurück im Büro arbeitet mein Hirn – eindeutig erkennbar mit Herz – auf Hochtouren. Der natürliche Impuls des Einfach-darauf-los-assoziierens läuft und brodelt. Ich setze mich in die Küche, gieße einen Tee auf und schreibe alle möglichen Ideen auf. Ein Gedanke folgt auf den anderen, Informationen, Verbindungen, neue Ideen. Es läuft, macht riesig Spaß und ich fühle die Lebendigkeit. Meine Motivation kommt wirklich frei von innen und ich kann automatisch meine ganze Kraft nutzen, die meiner Natur entspricht. Übrigens höchst produktiv! Ergebnis: Wow! Ich freue mich, dieses Projekt in die Welt zu bringen! Was war der Unterschied zum ersten? Ich war produktiv tätig mit mir selbst, im Erleben, mit dem Erleben und wachsen der Idee, meines Horizonts und mit der Beziehung zu dem ganzen Projekt. Ob das zu Status führt oder Skeptiker befriedigt ist dabei völlig irrelevant.

Die Beschreibung und die Achtsamkeit in diesen Erlebensphasen braucht Übung und manchmal auch ein Gegenüber, der/die einen spiegelt. Hinterfragt euch selbst, nicht des Kritisierens wegen, sondern des Weiterentwickelns wegen. Mir hilft in solchen Situationen beispielsweise das Gespräch mit einer langjährigen und vertrauten Freundin, die mich und meine Gremlins (die kleinen Ungeheuer, die bei jedem von uns in anderer Ausprägung im Kopf herumspuken und Angst verbreiten: „du kannst es nicht, du bist zu klein usw…“) gut kennt und mit mir sehr ehrlich ist.

Erfolgreiche Unternehmen glauben an produktive Aktivität und an Menschen, die genau das leben. Was für ein außergewöhnlicher Gewinn für alle Beteiligten! Und – das Business, in dem diese Menschen aufgehen!

Der einzige Weg einen fantastischen Job zu machen, ist zu lieben, was du tust. Wenn du’s noch nicht gefunden hast, such weiter danach. Gib nicht auf. Wie bei allen Herzensangelegenheiten wirst du spüren, wenn du fündig geworden bist. (Steve Jobs)

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