Liebevoll verwöhnt oder gekauft?

Umsorgte Mitarbeiter

Nachrichten über Konzernzentralen, die für Mitarbeiter in eine Art Freizeit-Wellness-Center oder gar vermeintliche Vergnügungsparks mit eigenem Stadtleben verwandelt werden. Für mich stellt sich die Frage ob diese Verwöhnprogramme der Techkonzerne wie beispielsweise in Silicon Valley für bessere und nachhaltige Leistungen sorgen oder eher für eine perfide Abkapselung. Passend zu unserer Kultur meine ich, ist nicht das Extrem, sondern das rechte Maß individuell für das Unternehmen.

Schlaraffenland als Personalstrategie
Die Tage habe ich auf managerseminare.de einen Artikel gelesen, wie Mitarbeiter namhafter Weltkonzerne in Silicon Valley gepampert werden. Die Unternehmen bieten alle materiell leistbaren Annehmlichkeiten um „ihnen das Leben zu erleichtern und sie damit weniger abzulenken“, so Linda Kozlowski, bei Evernote verantwortlich für internationales Marketing. Einerseits ist es schon erstaunlich, was alles machbar ist und auf welche kreativen Ideen die Unternehmen kommen um a) exzellente Mitarbeiter für sich zu gewinnen und b) diese nachhaltig an die Unternehmen zu binden. Von Barbecue, Sushi, Caffe Latte, Sportplätzen, Putzfrau, Fitness, Autosubventionen, Masseuren über Pediküren, Kinderbetreuern, organisierten Freizeitprogrammen mit Family und Kollegen bis hin zur früheren Herausgabe neu erforschter Medikamente z. B. gegen das Altern! Es gibt nichts, was es nicht gibt!

Gleich und gleich gesellt sich gern
Anderseits frage ich mich, ist das dauerhaft nicht ein wenig angsteinflößend, ketzerisch ausgedrückt, gar eine Neuform des Romanklassikers „Die Welle„? Eine ausgewählte Arbeiterschaft, die sich von morgens bis abends in einem gezielt abgesteckten Rahmen mit gezielten Menschen und Themen umgibt. Sicherlich gibt es ein Maß an Annehmlichkeiten, die für die Balance in einer mobilen Zeit, in der Privat- und Arbeitsleben fließender ineinander übergehen, durchaus zu einer entspannten Atmosphäre der Mitarbeiter beitragen können. Aber diese extreme Form, wie weit führt sie zu Reproduktion bzw. im Umkehrschluss, wie sorgt sie für Innovation, Abgrenzung und dadurch auch weiterhin eigenständiges Denken? Welche Rolle spielen die einzelnen Menschen und ihre Werte bzw. ihr Bindungsverhalten?

Ist gesunde Partnerschaft käuflich?
Mein Lieblingsvergleich greift auch jetzt wieder. Sicherlich leben die wenigsten von uns in ihrer Vorstellung mittellos im Kloster. Meist gefällt es uns mit schönen Dingen umworben zu werden und das Leben in Alltagsfragen vielleicht auch unkompliziert und einfacher gestalten zu können. Aber sind die besten Ehen die, wo der Partner vom anderen zu Hause wie im Märchen aus 1001 Nacht alles geliefert bekommt und das Haus nicht mehr verlassen muss und bestenfalls überhaupt gar nicht auf die Idee kommt, seinen Marktwert irgendwo anders zu zeigen oder zu testen? Mein Fazit: wohl eher nicht… Ein „Ja“ ist eine freiwillige Zusage, für die beide Partner Verantwortung und Eigenverantwortung tragen und die dennoch Freiheit und Raum für Individualität lässt; auch sich jeden Tag auf’s neue für den anderen zu entscheiden. Fair und wertschätzend mit gemeinsamen Zielen. Meine Meinung.

Gerne berate ich Sie vorab zu Ihrem individuellen Angebot in einem Infogespräch. Hier finden Sie alle Kontaktdaten

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