Wie geht Glück?
Die Frage nach dem Glück beschäftigt uns Menschen seit jeher und wird wohl immer auf individuelle Antworten und Lösungsansätze zur Vermeidung von Unglücklichsein treffen. Die ultimative Glücksformel mit dem das Lebensglück wie ein Lottogewinn im Koffer geliefert wird, gibt es nicht. Die gute Nachricht ist, wir können aktiv am Glücklichsein arbeiten und uns ein Leben mit vielen erfüllenden Momenten gestalten.
Eines meiner ersten Bücher, an die ich mich bewusst erinnern kann, war mit Mitte Zwanzig „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ in dem der Psychiater Hector sich auf eine Weltreise begibt um den Zustand des glücklichen Seins und die Wege zum Glück zu erforschen. Dabei kommt er in den verschiedensten Ländern unter diversen Umständen zu zahlreichen Gedanken und Erklärungen, die das Glücklichsein fördern. Diese hält er in einer Liste fest.
Das Glück als flüchtiger Vogel
Ein schönes Zitat gibt es auch vom Sänger Udo Jürgens aus einem einem Interview, das er der Zeitung „DIE ZEIT“ gegeben hat. „Das Glück ist ein flüchtiger Vogel. Er setzt sich bisweilen auf deine Schulter und beschenkt dich mit seiner Gegenwart, aber er ist ganz schnell wieder weg.“ Damals sprach er über das Glück aus fast 80 Jahren Lebenserfahrung.
Erfüllung durch Glücksmomente
Viele Interpretationen also von Hectors Reise über Fachliteratur, erfahrene Menschen, Gespräche mit Freunden und meine eigene Einschätzung vom Glück. In einem scheinen sich Wissenschaftler, Philosophen, Psychologen, Glücksforscher, einig zu sein: Glück ist offensichtlich kein dauerhafter Zustand, sondern eine Momentaufnahme. Dieser Augenblick ist durch uns selbst nicht wirklich zu beeinflussen. Nachhaltiger ist die Definition von einem erfüllenden Leben, das unter anderem aus vielen kleinen Glücks- und Freuden-Momenten besteht. Und daran können wir aktiv arbeiten.
Glück ist schön, macht aber viel Arbeit. (Richard David Precht)
So hat der Philosoph Richard David Precht in seiner philosophischen Reise „Wer bin ich und wenn ja, wie viele“ eine Zusammenfassung von sieben praktischen „Glücks“-Regeln veröffentlicht, die sich aus der alten Philosophie bis zur neuesten Glücksforschung ergeben. Diese Bausteine machen es uns möglich an unserer Erfüllung und dem Glück förderlichen Momenten aktiv zu arbeiten.
- Aktivität: Wir wollen beschäftigt sein. Ruhen wir zu viel, langweilt sich unser Geist und wir bekommen schlechte Laune. Aktivität bietet sich mit körperlicher Bewegung und geistiger Anregung.
- Sozial leben: Gemeinsame Erlebnisse steigern mit der Ausschüttung von Hormonen das Glücksgefühl. Sie berauschen und beruhigen gleichermaßen. Gemeinschaften, Partnerschaften sind also wichtig für das Lebensglück.
- Konzentration: Sich hier und jetzt zu konzentrieren und in einer Aufgabe oder einen Moment einzutauchen und zu versinken steigert die Lebensfreude. Musik, Essen, Gespräche usw. jetzt und im Dasein zu genießen ohne schon wieder beim nächsten Gedanken oder Tag oder der Handynachricht, zu sein sorgt für glücklichere Momente.
- Realistische Erwartungen: Wer sich überfordert löst Stress aus. Wer sich unterfordert, der langweilt sich, was schlechte Laune macht. Die Balance zu halten erfordert eine gute Selbsteinschätzung und die Möglichkeit zu reflektieren. Das kann man üben.
- Gute Gedanken: Glücksgefühle verursachen nach Prechts Zusammenfassung die „richtigen“ Gedanken und Gefühle. Nämlich solche, die Lust erzeugen und Unlust vermeiden. Das kann man trainieren mit Übungen, die die Möglichkeit zum reflektieren bieten.
- Gelassener mit dem Unglück umgehen: Wer sich in die Suche nach dem Glück hineinsteigert ist auch wieder unglücklich. Manchmal gilt es, wenn es auch oft sehr schwer fällt, das Unglück, das gerade nicht zu ändern ist, zu akzeptieren. Denn oft führen Krisen wieder zu Neuanfängen und haben etwas Gutes, auch wenn man heute davon noch nichts weiß.
- Freude durch Arbeit: Arbeit bedeutet Aktivität und schließt damit den Kreis wieder mit Punkt 1.